Die Anankegruppe
 
 
 

Am 28. September 1951 entdeckte Dr. Seth Barnes Nicholson, der 1914 bereits Sinope und 1938
weiterhin Lysithea und Carme entdeckt hatte, nun auch noch einen zwölften Jupitermond, der die
Bezeichnung Jupiter XII erhielt. Erst 1976 bekam er auch einen Namen. Dabei führte man das
Prinzip ein, dass prograde (rechtläufige) irreguläre Jupitermonde einen auf a endenden Namen
bekommen, wohingegen retrograde (rückläufige) irreguläre Jupitermonde einen auf e enden-
den Namen bekommen. ("Prograd" bedeutet, dass der Mond seinen Planeten in der gleichen
Richtung umläuft wie der Planet die Sonne, "retrograd", dass er ihn in Gegenrichtung umläuft;
"irregulär" bedeutet, dass die Bahn des Mondes exzentrisch [nicht kreisförmig] ist oder eine
nicht geringe Inklination [Neigung] hat. Prograde Monde haben eine Inklination zwischen
0° und 90°, retrograde eine zwischen 90° und 180°. Alle regulären Monde sind also
prograd.) Als retrograder irregulärer Jupitermond bekam Jupiter XII also einen
Namen auf -e, und zwar wurde er nach Ananke benannt. Ananke (griechisch
für "Notwendigkeit, Zwang") war die uranfängliche Göttin der Notwendigkeit.
Sie war ein unkörperliches, schlangenförmiges Wesen, dessen Arme sich in
das gesamte Weltall erstreckten. Zusammen mit ihrem Gemahl Chronus
soll Ananke das Schicksal der jüngeren Götter gelenkt
haben, selbst jenes von Jupiter.
 
 
 
 
 
 
 

Ananke
 
 
 
 
 
 
 

Am 23. November 2000 entdeckten Scott S. Sheppard, Prof. Dr. David Jewitt,
Dr. Yanga R. Fernández und Dr. Eugene Magnier drei weitere Jupitermonde,
die ganz ähnliche große Bahnhalbachsen und Inklinationen wie Ananke hatten.
Sie erhielten die Namen Harpalyke, Iocaste (nach der Geliebten Jupiters;
nicht zu verwechseln mit der Mutter und Ehefrau von Ödipus) und
Praxidike (nach der Tochter Jupiters, der Gerechtigkeit ausüben-
den Göttin; griechisch für "Ausführerin von Gerechtigkeit") und
die Bezeichnungen Jupiter XXII, Jupiter XXIV bzw.
Jupiter XXVII.
 
 
 
 
 
 
 

Hermippe
 
 
 
 
 
 
 

Am 9. und 11. Dezember 2001 entdeckten Sheppard, Jewitt und Dr. Jan Kleyna fünf weitere solche
Jupitermonde, die die Namen Thyone (nach der Geliebten Jupiters, der Schwester Autonoes),
Hermippe, Euanthe, Euporie (nach einer der neun Horen, der Töchter Jupiters, nämlich der
Göttin des landwirtschaftlichen Überflusses; griechisch für "Überfluss") und Orthosie (nach
einer weiteren der neun Horen, nämlich der Göttin des landwirtschaftlichen Wohlstands;
griechisch für "Wohlstand") und die Bezeichnungen Jupiter XXIX, Jupiter XXX,
Jupiter XXXIII, Jupiter XXXIV bzw. Jupiter XXXV erhielten. Jupiter verliebte
sich einst in eine Prinzessin namens Semele und schlief mit ihr, wobei er ihr ver-
sprach, jeden ihrer Wünsche zu erfüllen. Als Jupiters Ehefrau Juno dahinterkam,
erschien sie Semele in Gestalt von deren Amme und sprach zu ihr: "Bitte Jupiter,
zu dir in der gleichen Weise zu kommen, wie er zu Juno kommt, damit du er-
fahren kannst, welches Vergnügen es ist, mit einem Gott zu schlafen." Also
bat Semele Jupiter darum. Jupiter, der ihr diese Bitte aufgrund seines Ver-
sprechens nicht abschlagen konnte, erschien ihr daraufhin mit Blitz und
Donner und schleuderte einen Blitz auf sie, wodurch sie verbrannte. Ihr
Kind, Dionysus, wurde von Jupiter gerettet. Später rettete Dionysus
seine Mutter aus der Unterwelt, teilte mit ihr seine eigene Unsterblich-
keit, gab ihr den Namen Thyone und geleitete sie hinauf zum Olymp.
 
 
 
 
 
 
 

Hermippe
 
 
 
 
 
 
 

Im Februar 2003 entdeckten Sheppard, Jewitt und Kleyna zum Teil zusammen mit Prof. Dr. Brett Gladman,
Dr. John J. Kavelaars, Dr. Jean-Marc Petit und Dr. Lynne Allen sechs weitere solche Jupitermonde, von
denen drei die Namen Mneme (nach einer der drei Musen, nämlich der Muse des Gedächtnisses;
griechisch für "Erinnerung, Gedächtnis"), Thelxinoe (nach einer der vier Musen; griechisch poetisch
für "die Sinnbestrickende") und Helike (nach der Nymphe und Amme des kleinen Jupiter, als sie
ihn auf Kreta versteckt hielt) und die Bezeichnungen Jupiter XL, Jupiter XLII bzw. Jupiter XLV
erhielten. Die anderen drei Monde tragen vorerst nur provisorische Bezeichnungen. So heißt
"S/2003 J 3" z. B.: "Satellit, und zwar mit Entdeckungsfoto aus dem Jahr 2003
bei Jupiter, dritte Entdeckung aus 2003 bei Jupiter".
 
 
 
 
 
 
 


Mneme
 
 
 
 
 
 
 

Am 8. September 2010 schließlich entdeckte Christian Veillet noch einen weiteren solchen
Jupitermond, der die Bezeichnung Jupiter LII erhielt; die Namensgebung steht noch aus.
 
 

Die großen Bahnhalbachsen dieser insgesamt sechzehn Monde betragen zwischen 19,3
und 21,3 Mio. km (bzw. zwischen 270 und 298 Jupiterradien) und die Inklinationen
ihrer Umlaufbahnen zwischen 145,7° und 154,9° (zum Vergleich: die Inklinationen
der Umlaufbahnen der Galileischen Monde liegen alle unterhalb von 0,5°), sodass
die sechzehn Monde eine Gruppe bilden, nach ihrem mit ca. 29 km Durchmesser mit
Abstand größten Mond Anankegruppe genannt. Sie entstand vermutlich aus einem
einzigen Planetoiden, der vom Jupiter eingefangen wurde und in Stücke brach. Die
Umlaufzeiten der Monde aus der Anankegruppe liegen zwischen 550 und 634
Tagen, also zwischen 1 Jahr 6 Monaten und 1 Jahr 9 Monaten.
 
 
 
 
 
 
 


 

Thelxinoe
 
 
 
 
 
 
 

Skizzen der Bahnen der Jupitermonde befinden sich hier.
 
 
 
 
 
 
 

Die Anankegruppe in Kürze


MOND Bezeich-
nung
Entdek-
kungsjahr
Entdecker Durch-
messer
Rang Große
Bahn-
halbachse
Um-
lauf-
zeit
Inkli-
nation
Euporie Jupiter XXXIV 2001
(nachgewiesen 2002)
S. S. Sheppard /
D. C. Jewitt /
J. Kleyna
Ca. 2 km 17. 19336000 km =
ca. 270 Jupiterradien
550,7 Tage
(retrograd)
145,7°
S/2003 J 3 - 2003 S. S. Sheppard /
D. C. Jewitt /
J. Kleyna
Ca. 2 km 18. 20221000 km =
ca. 283 Jupiterradien
583,9 Tage
(retrograd)
147,5°
S/2003 J 18 - 2003 B. Gladman /
S. S. Sheppard u. a.
Ca. 2 km 19. 20508000 km =
ca. 287 Jupiterradien
598,1 Tage
(retrograd)
146,1°
S/2010 J 2 Jupiter LII 2010 Christian Veillet Ca. 2 km 20. 21004000 km =
ca. 293,8 Jupiterradien
618,8 Tage
(retrograd)
148,7°
Mneme Jupiter XL 2003 B. Gladman /
S. S. Sheppard u. a.
Ca. 2 km 21. 21033000 km =
ca. 294,2 Jupiterradien
620,1 Tage
(retrograd)
148,6°
Euanthe Jupiter XXXIII 2001
(nachgewiesen 2002)
S. S. Sheppard /
D. C. Jewitt /
J. Kleyna
Ca. 3 km 22. 21039000 km =
ca. 294,3 Jupiterradien
620,5 Tage
(retrograd)
148,9°
Helike Jupiter XLV 2003 S. S. Sheppard /
D. C. Jewitt /
J. Kleyna
Ca. 4 km 23. 21065000 km =
ca. 294,6 Jupiterradien
626,3 Tage
(retrograd)
154,8°
S/2003 J 16 - 2003 B. Gladman /
S. S. Sheppard u. a.
Ca. 2 km 24. 21097000 km =
ca. 295,1 Jupiterradien
622,9 Tage
(retrograd)
148,7°
Harpalyke Jupiter XXII 2000 S. S. Sheppard /
D. C. Jewitt /
Y. R. Fernández /
E. Magnier
Ca. 4,3 km 25. 21106000 km =
ca. 295,2 Jupiterradien
623,3 Tage
(retrograd)
148,8°
Praxidike Jupiter XXVII 2000 S. S. Sheppard /
D. C. Jewitt /
Y. R. Fernández /
E. Magnier
Ca. 6,8 km 26. 21148000 km =
ca. 295,8 Jupiterradien
625,4 Tage
(retrograd)
148,9°
Orthosie Jupiter XXXV 2001
(nachgewiesen 2002)
S. S. Sheppard /
D. C. Jewitt /
J. Kleyna
Ca. 2 km 27. 21158000 km =
ca. 295,9 Jupiterradien
622,6 Tage
(retrograd)
146,0°
Thelxinoe Jupiter XLII 2003
(nachgewiesen 2004)
S. S. Sheppard /
B. Gladman u. a.
Ca. 2 km 28. 21160000 km =
ca. 296,0 Jupiterradien
628,0 Tage
(retrograd)
151,4°
Thyone Jupiter XXIX 2001
(nachgewiesen 2002)
S. S. Sheppard /
D. C. Jewitt /
J. Kleyna
Ca. 4 km 29. 21197000 km =
ca. 296,5 Jupiterradien
627,2 Tage
(retrograd)
148,6°
Ananke Jupiter XII 1951 Seth Barnes Nicholson Ca. 29 km 30. 21254000 km =
ca. 297,3 Jupiterradien
629,8 Tage
(retrograd)
148,7°
Iocaste Jupiter XXIV 2000 S. S. Sheppard /
D. C. Jewitt /
Y. R. Fernández /
E. Magnier
Ca. 5,2 km 31. 21272000 km =
ca. 297,5 Jupiterradien
631,6 Tage
(retrograd)
149,4°
Hermippe Jupiter XXX 2001
(nachgewiesen 2002)
S. S. Sheppard /
D. C. Jewitt /
J. Kleyna
Ca. 4 km 32. 21297000 km =
ca. 297,9 Jupiterradien
633,9 Tage
(retrograd)
150,7°

 

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Dies war die beeindruckende Anankegruppe des Jupiters.
Als nächstes erwarten Euch hier zwei keiner Gruppe zuzuordnende äußere, irreguläre Jupitermonde.
Seid gespannt auf
 

Carpo und S/2003 J 12



 
 
 
 
 

Quellen:

Euporie, Euanthe, Orthosie, Thyone, Hermippe: 
- Durchmesser: https://web.archive.org/web/20021016114810/http://www.ifa.hawaii.edu/~sheppard/satellites/jupsatdata.html, 2002
- Bahndaten: Jacobson, R. A.: "JUP300 - JPL satellite ephemeris for the irregular Jovian satellites", 2013

S/2003 J 3, Helike:
- Durchmesser: https://web.archive.org/web/20030401225940/http://www.ifa.hawaii.edu/~sheppard/satellites/jupsatdata.html, 2003
- Bahndaten: Jacobson, R. A.: "JUP300 - JPL satellite ephemeris for the irregular Jovian satellites", 2013

S/2003 J 18, Mneme, S/2003 J 16:
- Durchmesser: https://web.archive.org/web/20030605101544/http://www.ifa.hawaii.edu/~sheppard/satellites/jupsatdata.html, 2003
- Bahndaten: Jacobson, R. A.: "JUP300 - JPL satellite ephemeris for the irregular Jovian satellites", 2013

S/2010 J 2:
- Durchmesser: Alexandersen, M. u. a.: "Discovery of Two Additional Jovian Irregulars", The Astronomical Journal 144 (2012), Nr. 1, S. 21
- Bahndaten: Jacobson, R. A.: "JUP300 - JPL satellite ephemeris for the irregular Jovian satellites", 2013

Harpalyke, Praxidike, Iocaste:
- Durchmesser: https://web.archive.org/web/20010208225815/http://www.ifa.hawaii.edu/~jewitt/jmoons/jm-table.html, 2001
- Bahndaten: Jacobson, R. A.: "JUP300 - JPL satellite ephemeris for the irregular Jovian satellites", 2013

Thelxinoe:
- Durchmesser: https://web.archive.org/web/20040215114742/http://www.ifa.hawaii.edu/~sheppard/satellites/jupsatdata.html, 2004
- Bahndaten: Jacobson, R. A.: "JUP300 - JPL satellite ephemeris for the irregular Jovian satellites", 2013

Ananke:
- Durchmesser: Rettig, T. W., Walsh, K. und Consolmagno, G.: "Implied evolutionary differences of the Jovian irregular satellites 
- from a BVR color survey", Icarus 154 (2001), S. 313-320
- Bahndaten: Jacobson, R. A.: "JUP300 - JPL satellite ephemeris for the irregular Jovian satellites", 2013