P H O E B E
Aufnahme durch die Raumsonde Voyager 2, 1981
Am 16. August 1898 entdeckte Prof. William Henry Pickering einen neunten
Saturnmond,
der nach der Titanin Phoebe (vom
griechischen Wort für "die helle ist"), der Schwester
Saturns, die dem Orakel von Delphi in der Zeit vor Apollo vorstand,
benannt wurde.
Phoebe erhielt die Bezeichnung
Saturn IX.
Fotosequenz aufgenommen von Voyager 2 am 4.
September 1981
aus 2,2 Millionen Kilometer Entfernung. Oben
ist die normale
Version zu sehen, unten die mit erhöhter
Auflösung.
Phoebe hat einen Durchmesser von
224 km x 208 km x 207 km (im Mittel 213 km).
Sie besteht vermutlich zu mindestens 50 % aus Gestein, der Rest ist
größtenteils Eis. Da
Saturns andere Eismonde nur zu ca. 35 % aus Gestein bestehen, ist Phoebe
insofern
ein Kuckucksei. Phoebe scheint
eine ziemlich flockige,
poröse Oberflächenschicht zu haben.
Mosaik aus zwei Aufnahmen durch die Raumsonde
Cassini, 2004
Phoebes Oberfläche ist dunkelgrau
und weist neben Eis und Gestein auch eisenhaltige Minerale,
gebundenes Wasser und eingeschlossenes Kohlendioxid und wahrscheinlich
auch Phyllosilikate,
organische Verbindungen, Nitrile und Cyanide auf. Somit ist Phoebe
in bezug auf ihre Zusammen-
setzung einer der vielfältigsten Körper im Sonnensystem –
der einzige Körper, von dessen
Zusammensetzung man weiß, daß sie noch vielfältiger
ist, ist die Erde. Phoebes
Oberfläche ist nicht homogen dunkel, sondern weist ein paar hellere
Flecke
auf, die vielleicht einen höheren Eisanteil anzeigen.
Aufnahme durch die Raumsonde Cassini, 2004
Phoebe ist dicht mit großen
und kleinen Kratern übersät, wobei sie sowohl schüssel-
als auch
kegelförmige Krater aufweist. Der größte Krater auf
Phoebe,
Jason (siehe Abbildung), hat
einen Durchmesser von 101 Kilometern, also fast der Hälfte des
Phoebedurchmessers, und
seine Wände sind vom Rand bis zum Boden ungefähr 20 Kilometer
lang.
Krater Jason (Aufnahme durch die Raumsonde
Cassini, 2004)
Phoebes große Bahnhalbachse
beträgt 12947780 km (entsprechend ca. 215 Saturnradien),
ihre Umlaufzeit mithin 550,3 Tage (= 1 Jahr 6 Monate). Im Gegensatz
zu den meisten
Monden dauert bei Phoebe eine Rotation
(Drehung um sich selbst) nicht genauso
lange wie eine Revolution (Umlauf um den Planeten), so daß sie
Saturn nicht stets
dieselbe Seite zuwendet, sondern ihre Rotationszeit beträgt nur
9 Stunden und
16 Minuten, das ist noch etwas kürzer als Saturns Rotationszeit
(10 Stunden
und 39 Minuten). Phoebes Bahnebene
ist gegenüber der sogenannten
lokalen Laplace-Ebene* (die nur geringfügig von Saturns Umlaufbahn-
ebene abweicht) um 176,0° geneigt. Somit ist Phoebe
retrograd
(rückläufig), d. h., sie umläuft Saturn entgegen dessen
Umlaufrichtung um die Sonne.
* Jede Umlaufbahn ändert ihre räumliche Ausrichtung im Laufe
der Zeit. Auch die Ebene,
in der sie sich befindet, ändert ihre Ausrichtung. Die lokale
Laplace-Ebene eines
Mondes ist die mittlere Umlaufbahnebene dieses Mondes.
Aufnahme durch die Raumsonde Cassini, 2004.
Die Schichten von hellem und dunklen Material
in dem
Krater oberhalb der Bildmitte deuten auf eine
dünne
Eisschicht hin, die von Resten des Einschlags
bedeckt ist.
Phoebe ist nicht zusammen mit Saturn
entstanden, sondern war einst ein Planetoid und wurde
von Saturn eingefangen. Man nimmt an, daß Phoebe
zur Klasse der dunklen kohlenstoffhaltigen
Planetoiden gehörte, die aufgrund ihrer geringen Größe
im Laufe ihrer Geschichte nie eine
Temperatur von mehr als 50 °C erreichten und die daher noch heute
ihre ursprüngliche
sehr primitive chemische Zusammensetzung aus Feststoffen haben, welche
vermutlich in der Frühzeit des Sonnensystems entstanden sind.
Auf jeden
Fall ist Phoebe mit einer mindestens
vier Milliarden Jahre alten
Oberfläche ein perfekt erhaltenes Überbleibsel aus jener
Zeit,
das einst um die junge Sonne lief.
PHOEBE in Kürze
| Bezeichnung | Saturn IX |
| Entdeckungsjahr | 1898 |
| Entdecker | William Henry Pickering |
| Durchmesser | 224 km x 208 km x 207 km |
| Rang | 26. |
| Große Bahnhalbachse | 12
947 780 km =
ca. 215 Saturnradien |
| Umlaufzeit | 550,3 Tage (retrograd) |
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Dies war die beeindruckende Phoebe.
Als nächstes erwarten Euch hier
gleich neun kleinere Uranusmonde. Seid gespannt auf
Francisco, Caliban, Stephano, Trinculo, Sycorax,
Margaret, Prospero, Setebos und Ferdinand
3-D-Aufnahme. Zur stereoskopischen Betrachtung
wird eine Rot-Blau-Brille
benötigt (beim Optiker erhältlich),
rotes Glas links, blaues rechts.
| Quellen:
- Durchmesser: berechnet nach --- Thomas, P. u. a.: "Phoebe: Voyager 2 observations", Journal of Geophysical Research 88 (1983), Nr. A11, S. 8736-8742 --- Porco, C. C. u. a.: --- "Cassini Imaging Science: Initial Results on Phoebe and Iapetus", Science 307 (2005), Nr. 5713 (25. Februar), S. 1237-1242 - Bahndaten: Jacobson, R. A.: JPL satellite ephemeris SAT240 (2006) |