T E T H Y S ,

T E L E S T O   &   C A L Y P S O
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 

Im Jahre 1684 entdeckte Jean-Dominique Cassini, nachdem er bereits 1671 und 1672 einen
zweiten und einen dritten Saturnmond entdeckt hatte, gleich zwei weitere Saturnmonde auf
einmal. Danach wurde über 100 Jahre lang kein weiterer Saturnmond entdeckt. Die beiden
Monde sind benachbart, fast gleich groß und weisen außerdem, wie wir noch sehen wer-
den, dieselbe Besonderheit auf. Hier wollen wir uns mit dem inneren dieser beiden
"Zwillingsmonde" beschäftigen, der nach der Titanin Tethys, der "Mächtigen
und Meeresgöttin" und Schwester Saturns, benannt wurde. Als drittin-
nerster der großen Saturnmonde erhielt Tethys die Bezeichnung
Saturn III.
 
 
 
 
 
 
 

Die beste von Voyager 1 aufgenommene Farbaufnahme von Tethys zeigt
den dunklen Gürtel und am oberen linken Rand den Krater Odysseus.
Auf dem rechten Bild sind Farbintensität und Kontrast erhöht worden.
 
 
 
 
 
 
 

Tethys hat einen Durchmesser von 1060 km. Ihre geringe Dichte von 0,99 g/cm³ deutet
darauf hin, daß sie fast vollständig aus Eis besteht, ähnlich wie Dione und Rhea.
 
 
 
 
 
 
 


 

Die beste vollständige Aufnahme von Tethys, aufgenommen von Voyager 2 am 26. August 1981
 
 
 
 
 
 
 

Tethys' Oberfläche ist mit kleinen Kratern übersät und weist Risse auf, die durch Auffaltungen im
Eis entstanden sind. Dabei gibt es kraterreiche und -ärmere Gebiete (siehe Abbildung oben).
In den kraterärmeren Gebieten waren wahrscheinlich später geologische Prozesse im Gange,
die eine teilweise Umwälzung der Oberfläche verursachten. Auf der einen Seite des Mondes
befinden sich aber auch größere Krater. Der größte Krater auf Tethys, Odysseus (siehe
Abbildung unten), hat einen Durchmesser von fast 400 Kilometern, also mehr als einem
Drittel des Tethysdurchmessers. Da Tethys zum Zeitpunkt des Einschlages noch warm
und formbar war, hat sich Odysseus' Boden im Laufe der Zeit an Tethys' kugelförmige
Oberfläche angeglichen, und sein ursprüngliches hohes Ringgebirge sowie sein Zentral-
berg sind zerfallen - ähnlich wie es auf Kallisto und Ganymed zu sehen ist. Tethys'
Inneres könnte zur Zeit des Einschlages sogar flüssig gewesen sein. Wäre Tethys
kälter und spröder gewesen, sähe Odysseus heute aus wie der Krater Herschel
auf Mimas - wenn nicht dann durch den Einschlag der ganze Mond zerstört wor-
den wäre. Die Einschlagkrater jener Zeit sind heute weitgehend ausgebügelt, und
die kleineren Krater, die heute zu sehen sind, sind jüngerer Natur.
 
 
 
 


Krater Odysseus (Aufnahme von Voyager 2 vom 25. August 1981)
 
 
 
 
 
 
 

Auf Tethys gibt es noch ein zweites auffälliges Oberflächenmerkmal: den Cañon Ithaca Chasma (siehe Abbildung),
der sich bei einer Breite von 65 bis 100 km und einer Tiefe von bis zu 5 km über mehr als 2000 km, also über etwa
zwei Drittel des Tethysumfangs, erstreckt. Die Größe Ithacas deutet wiederum darauf hin, daß Tethys einst
flüssig war und sich zunächst nur an der Oberfläche eine Eiskruste bildete. Ithaca ist über vier Milliarden
Jahre alt und entstand wahrscheinlich dadurch, daß dann auch das Innere von Tethys gefror, wodurch sie
sich ausdehnte (um etwa 1/11), so daß ihre Kruste, um dem vergrößerten Raumbedarf Rechnung zu
tragen, aufriß. Außerdem weist Tethys einen breiten, dunklen Gürtel auf,
der quer über ihre Oberfläche verläuft (siehe zweitoberste Abbildung).
 
 
 
 
 
 
 

Animation von Tethys (842 KB)
 
 
 

Tethys (unten) und Dione mit Saturnring.
Aufnahme durch die Raumsonde Cassini am 19. März 2005.
 
 
 
 
 
 
 

Korrekte englische Aussprache von Tethys (12 KB)
 
 
 
 
 
 
 

Im Jahre 1980 wurden zum einen von Dr. Bradford A. Smith, Dr. Harold Reitsema, Stephen M. Larson und
John W. Fountain und zum anderen von Dr. Dan Pascu, Dr. P. Kenneth Seidelmann, William A. Baum und
Prof. Douglas Currie zwei kleine Saturnmonde entdeckt, die nach den Okeaniden (Meeresnymphen)
Telesto (griechisch für "die Nymphe der kühlen Quellen") bzw. Calypso (vom griechischen Wort
für "wie die unsichtbaren Gezeiten"), den Töchtern Tethys', benannt wurden. Telesto erhielt
die Bezeichnung Saturn XIII und Calypso Saturn XIV.
 
 
 
 
 
 
 

Telesto
 
 
 
 
 
 
 

Telesto hat einen Durchmesser von ca. 24 km, Calypso ist nur wenig kleiner und hat einen
Durchmesser von ca. 29 km x 15 km x 15 km (im Mittel ca. 19 km).
 
 
 
 
 
 
 

Calypso
 
 
 
 
 
 
 

Es stellte sich heraus, daß Telesto und Calypso nicht nur die gleiche mittlere Entfernung
zum Saturn haben wie Tethys - ihre großen Bahnhalbachsen betragen jeweils 294710 km
(entsprechend ca. 4,9 Saturnradien), ihre Umlaufzeiten mithin jeweils 1,888 Tage -, sondern
auch koorbital mit ihr sind, d. h., alle drei Monde teilen sich eine Umlaufbahn. Dabei bleibt
der Abstand zwischen den drei Monden immer ungefähr gleich groß: immer läuft Telesto
etwa 60° vor Tethys und Calypso etwa 60° hinter ihr, so daß sie zusammen mit Saturn
zwei gleichseitige Dreiecke bilden.
 
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 

Der Mathematiker Joseph-Louis Comte de Lagrange zeigte einst, daß drei Körper an den Eckpunkten
eines gleichseitigen Dreiecks liegen können, das in seiner Ebene rotiert. Falls einer dieser Körper be-
sonders massereich verglichen mit den beiden anderen ist, dann ist diese dreieckige Anordnung
offenbar stabil. In einem System aus einem Planeten (1. Masse) und einem größeren Mond
(2. Masse) werden Punkte, in denen ein Gleichgewicht herrscht, Lagrangepunkte (oder auch
Librationspunkte) dieses Mondes genannt. Neben den auf einer Geraden mit dem Planeten
und dem Mond liegenden Lagrangepunkten L1, L2 und L3, in denen nur ein labiles (insta-
biles) Gleichgewicht herrscht, gibt es die beiden Punkte, die mit Planet und Mond ein
gleichseitiges Dreieck bilden, so daß in ihnen ein stabiles Gleichgewicht herrscht: den
mit L4 bezeichneten führenden und den mit L5 bezeichneten nachfolgenden Lagrange-
punkt. Körper in der Nähe eines dieser beiden Punkte werden auch als Trojaner
bezeichnet. Telesto und Calypso sind also Tethys' Trojaner. Man
vermutet, daß sie die Überreste einer Kollision sind.
 
 
 


Telesto (Großaufnahme ;-)
 
 
 
 
 
 
 


 

Calypso
 
 
 
 
 
 
 

TETHYS  in  Kürze

 
 Bezeichnung  Saturn III
 Entdeckungsjahr  1684
 Entdecker  Jean-Dominique Cassini
 Durchmesser  1060 km
 Rang  14.
 Große Bahnhalbachse  294 710 km =
 ca. 4,9 Saturnradien
 Umlaufzeit  1,888 Tage
 Besonderheit  Wird von zwei Trojanern
 begleitet

 
 
 

TELESTO  in  Kürze

 
 Bezeichnung  Saturn XIII
 Entdeckungsjahr  1980
 Entdecker  B. A. Smith / H.  Reitsema /
 St. M. Larson /
 J. W. Fountain
 Durchmesser  Ca. 24 km
 Rang  15.
 Große Bahnhalbachse  294 710 km =
 ca. 4,9 Saturnradien
 Umlaufzeit  1,888 Tage
 Besonderheit  Koorbital mit Tethys
 (führender Trojaner)

 
 
 

CALYPSO  in  Kürze

 
 Bezeichnung  Saturn XIV
 Entdeckungsjahr  1980
 Entdecker  D. Pascu / P. K. Seidel-
 mann / W. A. Baum /
 D. Currie
 Durchmesser  Ca. 29 km x 15 km x 15 km
 Rang  16.
 Große Bahnhalbachse  294 710 km =
 ca. 4,9 Saturnradien
 Umlaufzeit  1,888 Tage
 Besonderheit  Koorbital mit Tethys
 (nachfolgender Trojaner)

 

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Dies waren Tethys, Telesto & Calypso. Als nächstes erwarten Euch hier zwei
weitere Uranusmonde. Seid gespannt auf
 

Puck und Mab



 
 
 
 
 
 

Quellen:

Tethys:
- Durchmesser: Thomas, P. C. und Dermott, S. F.: "The shape of Tethys",
- Icarus 94 (1991), S. 391-398
- Bahndaten: Jacobson, R. A.: JPL satellite ephemeris SAT240 (2006)

Telesto:
- Durchmesser: Thomas, P. u. a.: "Saturn's small satellites: Voyager imaging results", 
- Journal of Geophysical Research 88 (1983), Nr. A11, S. 8743-8754
- Bahndaten: Jacobson, R. A.: JPL satellite ephemeris SAT240 (2006)

Calypso:
- Durchmesser: berechnet nach Thomas, P. C.: "The shapes of small satellites",
- Icarus 77 (1989), S. 248-274
- Bahndaten: Jacobson, R. A.: JPL satellite ephemeris SAT240 (2006)